Noch heute liegt bei uns im Wohnzimmer der Wahlflyer des heutigen Bürgermeisters Andreas Brandt mit seinem Motto: "Unser Bürgermeister für alle". Auf seiner damaligen Wahlkampftour durch die Region hatte er dann auch bei uns Halt gemacht, um sich und sein Wahlprogramm vorzustellen. Etwa ein Dutzend Nachbarn hatten sich bei uns versammelt, um den Kandidaten ebenfalls kennenzulernen. Logischerweise kamen wir im Gespräch auch auf den geplanten Maststall zu sprechen: "....ich war auch beim Antragsteller...", hat er da gemeint, "....und dem hab ich gesagt, wenn ich hier wohnen würde, wäre ich auch Mitglied in der Bürgerinitiative gegen den Hähnchenmaststall. Ich möchte so einen Stall auch nicht vor der Nase stehen haben....."
Wie waren wir alle begeistert. Andreas Brandt. Einer von uns. Ein Bürgermeister mit bodenständigen Ansichten. Ganz normal, diskussionsfreudig, gut verständlich und sehr offenherzig. Es fehlten Verwaltungskenntnisse, aber seine hohe Auffassungsgabe und sein Enthusiasmus gaben mir das Gefühl, dass er sich diese im Laufe seiner Amtszeit schnell aneignen könnte.
Nun ja! Das war vor der Wahl.
Niemand hat verlangt, dass er danach der Bürgerinitiative beitritt. Niemand hat irgendeine Verhinderungspolitik erwartet. Wir haben uns nur auf einen Bürgermeister gefreut, der nicht die offensichtliche antragstellereingefärbte Lobbyarbeit seines Vorgängers weiterführt, sondern, dass er stattdessen neutral zu allen Bürgern steht. Und der sich bei all seinen Entscheidungen, im Zweifelsfall immer nur strikt auf geltendes Recht stützt.
Wäre er "der Bürgermeister für alle", würde er sich bezüglich der geplanten Mastanlage betreffend auch einfach mal an die Gesetze halten und somit niemanden begünstigen. Was im übrigen auch der einfachste Weg wäre, um sich bei jeder Partei aus der Schusslinie zu bringen (es sei denn, es gibt da geheime Absprachen. Anders kann man das Verschwenden von Steuergeldern (für das Straßengutachten) nämlich nicht erklären.)
Aber wenn er schon nicht neutral sein will, sollte er zumindest in seinen Gedanken seine Wähler nicht vergessen. Allein in den Einwendungen gegen den Hähnchenmaststall sind da schon weit über 1000 zu finden (nur um der Waage mal das passende Gegengewicht zu geben).
Aber das nur zur Erinnerung.
Noch lieber hätten wir einen "neutralen" Bürgermeister, den weder die Stimmen der Antragstellerseite noch die erdrückende Mehrheit der Bevölkerung beeinflusst. Dafür gäbe ja eigentlich das Gesetz, welches hier ja seine Anwendung finden müsste, aber aus mir unverständlichen Gründen nicht verwendet wird. Da ist doch was faul.
Nun ist der neue Bürgermeister seit etwas mehr als 100 Tagen im Amt. Und im Gegensatz zu seinem Vorgänger Andreas Mattfeldt nimmt er sich die Zeit, mit jedem zu reden. Doch mehr als jede Menge Ausflüchte oder Phrasen, die wir schon aus Mattfeldt's Zeiten kennen, sind bis heute auch nicht gekommen. Und was ich besonders vermisse, ist ein persönliches und glaubwürdiges Profil unseres Bürgermeisters.
Ich möchte ihn zwar nicht gleich (wie die CDU) als bloßen Repräsentanten abstempeln, aber mehr Eigendynamik und Verbindlichkeit und die absolut nötige Neutralität (die ich bis heute vermisse) sind doch unverzichtbar.
So wie jetzt darf es in jedem Fall nicht 8 Jahre weitergehen.
Wir haben ein Recht darauf, dass auch in dieser Gemeinde geltendes Recht seine Anwendung findet.
Für jeden Bürger. Nicht nur zum Gängeln. Sondern auch zum Schutz für jedermann. Nicht nur, um umweltfreundliche Photovoltaikanlagen abzureißen, sondern auch um umweltschädigende Bau-Anträge zu verhindern. Ich denke da nur an die eventuelle Abholzung der Vegetation an der Giersbergstraße. Schließlich war das Argument für die Photovoltaikanlage ja auch, dass sie hässlich gewesen sei. Wie hässlich ist erst eine abgeholzte Giersbergstraße? (Gleichheitsgrundsatz). Es kann doch nicht sein, dass der eine darf, was der andere nicht darf. Offensichtlich haben die Bürger mehr Respekt vor dem Gesetz, als diejenigen, die es vertreten sollen.
Zum Schluss möchte auch ich einen Satz zum Straßengutachten verlieren, besonders zu den Alternativen: Diese Form des "Sponsorings" seitens der Behörde ist mir persönlich in meinem ganzen Leben noch nicht passiert. Wenn bei mir mal irgendwas nicht in Ordnung war, bekam ich eine Frist, den Mangel auf eigene Kosten entweder auszubessern, oder zu entfernen - meistens sogar noch in einem unhöflichen Schreiben. Viele werden sicherlich genau wissen, wovon ich rede. Aber dass eine Behörde für mich eine Straße klarmacht, so ganz umsonst, von den Steuergeldern zahlender Bürger.....wenn's mir jemand anders erzählt hätte, ich würde es nicht glauben - wenn ich es nicht nun schon zum zweiten Mal in der Zeitung gelesen hätte.
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