Jeder, der im größeren Umkreis von Etelsen wohnt, dürfte es inzwischen mitbekommen haben - in Etelsen, genauer gesagt auf dem Giersberg, soll demnächst der größte Maststall Niedersachsens gebaut werden. Dass wir darüber alles andere als erfreut sind, haben wir oft geäußert.

Viele haben sich und uns jedoch gefragt, was ist denn jetzt so schlimm an diesem Stall?
Gönnt Ihr ihn der Familie Ernst nicht?
Kriegt Ihr überhaupt etwas davon mit??

Wir wollen hier die Gelegenheit nutzen und noch einmal zusammenfassen, weshalb wir gegen den Stall sind.

Hühner in Mastbetrieben erleiden sinnlose Qualen
In nur 5 Wochen werden aus Küken schlachtreife Masthühner mit einem Gewicht von 1,5 kg. Sie leben auf engstem Raum ohne Tageslicht, bis zu 26 Hühner pro Quadratmeter (man stelle sich vor: 4 Waschbetonplatten einer Terrasse - darauf quetscht man 26 Hühner!).
Die Hühner werden also auf engstem Raum bei künstlichem Licht gehalten - diese Haltungsbedingungen und das auf schnellen Fleischansatz optimierte Mastfutter sorgen dafür, dass die Tiere sehr schnell an Gewicht zunehmen. Knochen, Gelenke und Herz-Kreislaufsystem bleiben jedoch auf der Strecke. Daher bekommen über 70% der Masthühner ab der 3. Mastwoche das sogenannte Beinschwäche-Syndrom. Sie können nicht mehr stehen, humpeln nur noch und irgendwann brechen sie unter der Last ihres eigenen Körpers zusammen und bleiben liegen. Sie verdursten, wenn der Tierhalter sie nicht einsammelt und tötet.
Auch der Transport zum Schlachthof ist Stress pur für die armen Hühner. Über 5% der Tiere sterben vorher. Bei 125.000 Hühnern und 7,5 Mastgängen pro Jahr sind es 47812 Tiere, die aufgrund schlechter Haltungsbedingungen und Qualzucht ihr Leben lassen, Jahr für Jahr.
Ich wiederhole: JÄHRLICH 47812 Tiere, deren Tod aus reiner Profitgier billigend in Kauf genommen wird.

Wer sich genauer über die Mastbedingungen informieren möchte, sollte die Seite http://www.dokumentiere.de besuchen und sich insbesondere den Film "33 Tage - das kurze Leben der Masthühner" ansehen. Dieser sagt mehr als 1000 Worte.

Eigentumsentwertung bis zu 70%
Banken und Sparkassen haben unsere Befürchtungen bestätigt - die Wohnhäuser in der direkten Nähe des Maststalls verlieren bis zu 70% an Wert. Das betrifft die Häuser auf dem Giersberg selbst, die in der Dichtersiedlung und die an der Hustedter Straße. Da bedarf es wohl keiner langen Erklärung, warum wir wohl dagegen sein könnten....


Keine Filter
Entgegen anderslautender Berichterstattung im Achimer Kreisblatt (siehe auch Presse) werden keine Filter eingebaut. Das ist besonders unverständlich für uns, da es in der Nähe durchaus Mastbetriebe mit Filteranlagen gibt, die zudem noch sehr viel weiter von Wohnhäusern entfernt sind. Für den geplanten Hähnchenmaststall sind überhaupt keine technischen Vorrichtungen geplant, die verhindern sollen, dass Gestank und Keime aus dem Stall in die Umwelt gelangen. Umweltschützende Maßnahmen, wie z.B. Biowäscher oder Abluftreinigungsanlagen, würden den Profit des Maststallbesitzers deutlich schmälern. Daher sind keine vorgesehen.

Dabei schädigen Hähnchenmastställe die Umwelt viel mehr als z.B. Schweine- oder Rindermastställe. Gerade Hühnermast erzeugt riesige Mengen Feinstaub und Ammoniak. Insbesondere die hohen Mengen Staub sind Träger von Krankheitserregern, welche aufgrund der Antibiotikaresistenz noch kilometerweit nachzuweisen sind. Eine wissenschaftliche Studie (Seedorf/Hartung) beschrieb, dass Krankheitserreger aus Mastbetrieben des Festlands über den Kanal nach England gelangt sind und dort noch in der Lage waren, andere Tierbestände anzustecken.
Da bleibt nur zu hoffen, dass unsere Gesundheit genauso widerstandsfähig ist wie die dieser Viren....

 

Der Wald an der Giersberger Schanze wird sterben
Der Wald, der eigentlich die Schadstoffe der Autobahn filtern soll, hat mit dieser Aufgabe schon genug zu tun. Ab Mitte September 2009 wird er jedoch noch mehr leiden, wenn der neue Containerterminal CT4 in Bremerhaven fertiggestellt ist. Durch die Fertigstellung wird der LKW-Verkehr auf der A27 um ein Vielfaches steigen - wie uns Herr Indorf vom Landkreis Verden mitteilte.

D.h., die Anwohner auf dem Giersberg sind umso mehr auf einen gesunden und voll funktionsfähigen Wald angewiesen, der einen großen Anteil der Schadstoffe der A27 filtert.
Diese gesundheitserhaltende Funktion des Waldes ist jedoch stark gefährdet, wenn der neue Maststall tatsächlich gebaut werden sollte. Denn die volle, ungefilterte Dröhnung Ammoniak und Stickstoff aus dem Stall wird dem Wald den baldigen Tod bescheren. Das sind keine Unkenrufe der Maststallgegner, sondern nackte Tatsachen, die auf den wissenschaftlichen Berechnungen des BUND-Experten Knut Haverkamp (Dipl.-Ing. FH Forstwirtschaft) basieren.

Und was sagt die Genehmigungsbehörde dazu?
"...was soll's...", sagt der Landkreis, "....wir schaffen Ausgleichsflächen!!..."

Na ja, 100-jährige Eichen wachsen ja auch über Nacht ....

 

Es stinkt zum Himmel
Schon heute riecht es an vielen Tagen so ekelhaft nach Hühnerkot und sonstiger Gülle, dass man kein Fenster öffnen mag. Auf die Felder wird der Mist gekarrt, was das Zeug hält.
Manchmal sogar nachts !! (um 02.30 Uhr, und das, obwohl es eine Stunde später doch schon hell gewesen wäre?!) Ein Schelm, wer Böses dabei denkt....

Überdüngung?? "...Kein Thema...." sagt die Landwirtschaftskammer - "...wir kontrollieren doch in regelmäßigen Abständen!! Alle sechs Jahre!..."
Bis dahin kann schon viel Gülle die Weser heruntergeflossen sein. Fakt ist, dass die Böden laut einer aktuellen Statistik vom Umweltbundesamt in unserer Region schon reichlich belastet sind. Der Stickstoffeintrag beträgt 40 kg pro Hektar und Jahr und teilweise noch mehr. Die Frage, wie denn die ohnehin belasteten Böden zukünftig noch die enormen Mengen an Hühnerkot aufnehmen sollen, wurde von der Landwirtschaftskammer bisher nicht beantwortet. Es wurde lediglich angemerkt, dass die Hühner ja nur halb so viel Kot produzieren wie in den einschlägigen VDI-Richtlinien behauptet wird. Auf gut deutsch: Die Hühner aus dem geplanten Mastbetrieb KOTEN nur halb so viel als andere Hühner. Und das, wo sie doch nichts anderes tun als fressen.
Das erklärt in jedem Fall, dass hier immer noch Hühnerkot aus dem Landkreis Vechta angekarrt wird und die Haufen auch widerrechtlich in noch nicht abgeernteten Feldern gelagert werden.
Lebensmittelhygiene und Überdüngung der Böden?
Interessiert hier keinen. Den Landkreis am allerwenigsten.

Wo nun der Mist von weiteren 100.000 Hühnern bleiben soll, wissen wir nicht.
Alle Anfragen an Landkreis, Landwirtschaftskammer etc. blieben bisher unbeantwortet.
Vermutlich wissen sie es selbst nicht.

Pflanzengerechte Düngung?
Pflanzengerechte Düngung? - hm, lecker!!! Da freut man sich auf's nächste Mischbrot


Vogelgrippegefahr vor der Haustür

Auch wenn es die Vertreter des Landkreises energisch bestreiten - es gibt nachgewiesene Studien, dass die Vogelgrippegefahr nicht von den "frei laufenden Mistkratzern" (Zitat Dr. Gouverneur) ausgeht, sondern von den immungeschwächten Tieren, die ihr trauriges, kurzes Dasein in Mastställen fristen.
Dieses kann man hier nachlesen.
Wer irrt sich denn nun? Die wissenschaftliche Studie, die im Tierärzteblatt veröffentlicht wurde, oder Frau Dr. Gouverneur, die es entweder nicht besser wusste oder in Befangenheit glänzte ?
Lassen wir mal diesen Streit außen vor - WENN es zum Seuchenfall kommt, dann haben alle im Umkreis von 3 km etwas davon. D.h. im Klartext, GANZ ETELSEN ist betroffen. Um den Maststall wird eine Quarantänezone von 3 km verhängt, rein und raus kommt man nur nach vollständiger Desinfektion. Ziergeflügelzüchter und Besitzer von frei laufenden, glücklichen Hühnern dürfen dann vermutlich ihren gesamten Bestand töten lassen. Dass die Krankheit sogar schon über den Hühnerkot auf den Feldern verbreitet werden kann, ist schon längst kein Geheimnis mehr (Infos hier: http://www.tierseucheninfo.niedersachsen.de).

40-Tonner auf der Giersbergstraße
Vielleicht hätten die Herren Mattfeldt und Bethge mal den Zustand der Giersbergstraße vor Ort gründlich überprüfen sollen, bevor sie sie für den Schwerlastverkehr freigegeben haben. Auf dieser Straße können sich nämlich keine zwei Autos begegnen, ohne dass eines von ihnen fast in den Graben fährt. Die Bäume entlang dieser Straße haben schon gewaltig gelitten - zwei wurden (durch größere Gefährte) bereits so beschädigt, dass sie vermutlich bald absterben werden. WIE eng es dort ist, zeigen wir hier:


[bitte auf das Bild klicken und etwas warten
- dahinter verbirgt sich ein 14-seitiges PDF-Dokument]

Die Straße ist tatsächlich nur 3 Meter breit. Andere Gemeinden haben Mastställe abgelehnt, mit genau dieser Begründung (Zuwegung nicht ausreichend ausgebaut). Siehe dazu auch ein Urteil des OVG Lüneburg aus dem Jahr 2003.

Noch ein paar Bilder der Giersbergstraße, die unter der Belastung der 40-Tonner schon sichtbar gelitten hat...
"Guter baulicher Zustand" sieht wohl anders aus....

Giersbergstraße 2009 Giersbergstraße 2009 Giersbergstraße 2009

Bisher waren die Bäume an der Giersbergstraße der einzig wirkungsvolle Schutz gegen den Lärm und die Abgase der Autobahn. Hält man sich vor Augen, dass der LKW-Verkehr auf der A27 nach Fertigstellung des besagten Terminals CT4 drastisch zunehmen wird, ist es umso wichtiger, diesen natürlichen Schutzwall zu erhalten.
Es ist zwingend notwendig, dass die Giersbergstraße eine Gewichtsbeschränkung bekommt.

Die Gemeinde Langwedel sieht das anders. Naja, in Völkersen hört man den Krach ja auch nicht. 

Zu guter Letzt: Diese und noch viele weitere Gründe haben wir am 05.06. und 06.06.08 im Erörterungstermin beim Landkreis Verden vorgetragen. Neben den bereits erwähnten Punkten, die auch ohne Gutachten jedem einleuchten müssten, haben wir begründetes Misstrauen gegen das "äußerst gefällige Gutachten" von Prof. Dr. Oldenburg vorgebracht. Da keiner der gesetzlich vorgeschriebenen Mindestabstände der Mega-Mastanlage eingehalten wird (weder zum nächsten, nicht landwirtschaftlich genutzten Wohnhaus (164 m), noch zum Wald (128 m) oder gar zum Wohngebiet Kantweg/Lönsweg/Goetheweg/Schillerstraße/Hustedter Straße (384 m) - noch Filter eingebaut werden, hätten genaue Messungen der Winddaten vor Ort über einen größeren Zeitraum stattfinden müssen, damit die Genehmigungsbehörde eine Gefährdung der umliegenden Bevölkerung überhaupt beurteilen (!) kann.

Die Prognose, inwieweit die umliegende Bevölkerung durch den Mega-Maststall gefährdet wird, sollte tatsächlich auf Basis der Winddaten von 1991 vom Standort Rotenburg (25 km entfernt) erfolgen. Warum keine aktuelleren Daten verwendet und diese auf dem Erörterungstermin auch noch von der Genehmigungsbehörde mit fadenscheinigen Gründen vehement verteidigt wurden, ist nach wie vor unklar. Vertrauenswürdig und besonders neutral ist das auf keinen Fall.

Fairerweise muss an dieser Stelle gesagt werden, dass die Genehmigungsbehörde - wohl aufgrund der massiven Forderungen einiger Kreistagspolitiker und unserer Eingabe beim Landtag in Hannover - im Oktober 2008 nun doch ein qualifiziertes Windgutachten des Deutschen Wetterdienstes angefordert hat. Die Winddaten sind zwar auch schon 10 Jahre alt (1999) und stammen ebenfalls nicht aus Etelsen, sondern vom Flughafen Bremen. Auf dieser Basis wird nun das komplette Immissionsgutachten überarbeitet. Derzeit warten wir auf die Neuauslage der Unterlagen und die Wiederholung des kompletten Verfahrens (Stand: März 2010).