Es reicht!!!  Was lese ich da - eher beiläufig - im Nachsatz der Diskussion des Kreislandwirtes Meyerholz mit der CDU? Nun ist auch am Dioxin-Skandal der Konsument nicht ganz unschuldig. Hätte er durch sein Kaufverhalten einen anderen Anreiz geschaffen, dann hätten die Landwirte für "Fleischproduktion" einen anderen Weg gestaltet. Ich glaub das ja wohl nicht. Wenn die Landwirtschft nicht durch unser Kaufverhalten so wenig Geld für ihr Fleisch bekäme, dann könnte sie auch ihre Tiere mit gesünderem Getreide und mit Hülsenfrüchten füttern und müsse nicht soviel Futtermittel zukaufen. Scheinheiliger geht es nicht mehr. Eingeständnisse gab es dann allerdings auch. Während unser neuer Landwirtschaftsminister verkündete, dass die Agrarindustrie vom Dioxinskandal nicht betroffen sei, da sie ihr Futter auf eigenen Ländereien selber anbaut, hörte sich Herr Meyerholz da doch etwas realistischer an, da er zugab, dass viele Landwirte heute mehr Tiere mästen als sie mit ihren eigenen Ländereien ernähren könnten. Was ja vorher immer wieder gerne abgestritten wurde.

 

Vielerorts landen Getreide und Hülsenfrüchte zu einem großen Teil in Biogasanlagen und werden im wahrsten Sinne des Wortes verbrannt. Stattdessen wird an die Tiere in den Mastanlagen der letzte Abfall verfüttert. Hauptsache, es ist Fett enthalten. Damit sie schnell „fett“ werden. Die Industrie nennt das sicher auch gerne Kraftfutter. Ein Mix aus Altöl, aufbereitetem Gastronomiefett und anderen ekelerregenden "Leckereien" (siehe Artikel des Spiegel weiter unten). Deshalb forderte Hogrefe (CDU) ja auch, man achte bei Politiker immer auf den Wortlaut, dass alles verfüttert werden soll was erlaubt und unbedenklich sei, und nicht etwa, was den Tieren gut tue. Also in letzter Instanz natürlich auch was uns gut täte. Hauptsache, das Fleisch wächst schnell und kommt noch schneller in die Regale. Und beim nächsten Skandal kann man ja schnell wieder dem Konsumenten aufgrund seines Kaufverhaltens die Schuld geben. Merkwürdig nur, dass sich die Agrarlobby dagegen sträubt, das Fleisch aus der Massentierhaltung dementsprechend zu kennzeichnen. Denn damit könnte auch der unaufgeklärte Konsument schon im Supermarkt die Herkunft seines Lebensmittels erkennen und dann selbst entscheiden, ob er diese fragwürdigen Lebensmittel überhaupt konsumieren will. Die Kennzeichnung der Eier hat gezeigt, dass der Verbraucher durchaus kritisch ist.

 

Hinzu käme, dass Getreide und Hülsenfrüchte das "Turbo-Mästen" für den Mäster total ineffizient gestalten würden. Die Tiere würden langsamer wachsen. Die Mastgänge würden sich verzögern. Höhere Kosten wären die Folge. Nicht nur für den Verbraucher. So manch ein Antragsteller würde bei einer anderen Kalkulation sein Vorhaben mit geringerer Gewinnerwartung noch einmal überdenken. Die Futtermittel Getreide und Hülsenfrüchte wären teurer. Ausserdem, woher soll der Verbraucher das Geld für Fleisch hernehmen, wenn deutschlandweit durch die Industrialisierung dieser Branche ein Großteil der Arbeitsplätze vernichtet wurde. Im Nachgang sollen wir für deren minderwertige Lebensmittel dann auch noch mehr bezahlen. Diese verzerrten Ansichten der Agrarindustrie sind schon erschreckend. Sie nehmen uns unsere Arbeitsplätze, verwüsten unser Land, zerstören unsere Gesundheit, unseren Wohlstand und geben uns dann auch noch die Schuld dafür. Was bleibt sind Fragen und und Anklagen auf beiden Seiten. Solange aber Profitgier den Markt steuert, wird es wohl nie einen Konsens mit den Bürgern geben. Selbst wenn wie jetzt beim Dioxinskandal etwas schlimmes passiert, wird nur nach einem Schuldigen gesucht. Die Überschrift lautete, dass der Konsument besser geschützt werden solle. Warum fängt dann die Agrarindustrie nicht damit an? Verantwortungsbewußte Tierzucht. Mit Futtermitteln aus eigener Herstellung. Nicht mehr Tiere als man mit eigenen Ländereien ernähren und aufziehen kann. Das ist ja auch die Forderung der ABL. Doch ich befürchte, Herr Meyerholz hatte auch hier nur ein paar beschwichtigende Lippenbekenntnisse für die Presse. Am kranken System wird aber wieder einmal nichts geändert. Bis zum nächsten Skandal.