"....Der Markt boomt...."

"....der Markt muss bedient werden....."

"....der Verbraucher entscheidet über Massentierhaltung....."


Diese "Totschlag"-Argumente hören wir immer wieder. Anfangs haben wir uns nur darüber geärgert, dass einzelne Politiker zusammen mit den Investoren in das gleiche Horn blasen, inzwischen wissen wir jedoch, dass die o.g. Aussagen nicht nur oberflächlich, sondern schlichtweg falsch sind. Der Sender ARTE ist nur ein Beispiel dafür, wie industrielle Hähnchenmast funktioniert - und wie man die lästigen Überschüsse (alles außer Brustfleisch) gewinnbringend loswird und ganz nebenbei noch verhindert, dass sich die Bauern in der Dritten Welt eine eigene Existenz aufbauen können.

Hühner für Afrika (ARTE)
Vom Unsinn des globalen Handelns

Die afrikanischen Kleinbauern bitten ihre Landsleute "stop buyin' frozen chicken", um ihre Hühner nicht unter Selbstkostenpreis verkaufen zu müssen. Die importierten Hühnerreste machen die Bevölkerung krank, eine Stichprobe ergab, dass "85% der Ware nicht für den menschlichen Verzehr geeignet ist". Und trotz dieses Wissens werden weiter munter halbgefrorene Hühnerteile und -überreste nach Ghana, Togo, Kamerun exportiert, vermutlich noch unter dem Deckmantel, dort Entwicklungshilfe zu leisten.

Extrem kritikwürdig ist auch die Strategie der Geflügelfleisch-Konzerne, im Film gezeigt am Beispiel des französischen Konzern Doux! Während noch französische Geflügelfleischüberschuss-Exporte nach Afrika die dortigen Märkte kaputt machen und die EU noch die europäischen Exportsubventionen nach Afrika fördert und Importzölle afrikanischer Länder zu behindern sucht, um die EIGENE 'Landwirtschaft' zu stärken, macht sich der frz. Konzern Doux bereits auf den Weg ins Billiglohnland Brasilien. Französische Arbeitsplätze werden ins Billiglohnland exportiert und Billigfleisch aus Brasilien nach Frankreich importiert. So kriegen die Franzosen dann auch die Quittung für ihre eigene unfaire Handelsstrategie gegenüber Afrika: Den Franzosen geht es dann bald ebenso wie den Afrikanern! 15 Betriebe in Frankreich hat der Konzern bereits geschlossen und lässt nun in Brasilien produzieren. Die Gewerkschaft CGT ist machtlos. - Dem Spiel der Multis sind sie alle machtlos ausgeliefert, sofern sie die weiterhin schalten und walten lassen wie bisher und ihnen auch noch liebedienerisch hinterher laufen... Das Ganze ist ein Exempel dafür, wie es überall läuft. Auch vor Deutschland wird eine derartige Strategie nicht halt machen.

Grausames Mosaiksteinchen aus dem Puzzle: Die Geflügelbauern in Afrika kaufen 5-Tage-Küken aus Brasilien! Sie selber können Küken nicht so billig 'herstellen' ( weil sie wohl keine Brutmaschinen in der Größenordnung haben). Ist es möglich, dass hier keiner einen Riegel vorschiebt?! Der freie Welthandel, die oberste Maxime der Welthandelsorganisation WTO, geht über Leben und Leichen, Menschen wie Tiere, kennt keine moralischen Schranken!
Der Alternativ-Geflügelzüchter, der im Film zu Wort kommt, hat ganz Recht mit seiner Position: Es darf mit Tieren kein weltweiter Handel getrieben werden. "Wir haben es schließlich mit einem LEBENDEN Produkt zu tun."

Erwähnenswert ist auch, dass der Sonderbeauftragte der UN für Ernährung de Schutter sehr treffende Forderungen aufstellt zur Frage der Benachteiligung der armen Länder und wie der wachsende Hunger in der Welt, dieses Jahr 1 Milliarde Menschen, bekämpft werden muss, und nichts Entsprechendes passiert. Ist es nicht ein Unding, dass dieser Beauftragte der Vereinten Nationen bzw. die UN und die Einzelstaaten offenbar überhaupt keinen Einfluss auf die tatsächliche weltweite Entwicklung haben? Die Ohnmacht der Politik oder der Unwillen der Politik, Notwendiges auf den Weg zu bringen??

Wo bleibt hier die Verantwortung der Politiker? In einer globalisierten Welt sind wir mehr denn je verpflichtet, verantwortungsbewusst zu handeln. Aber momentan ist ja in allen Branchen kurzfristige Renditemaximierung um JEDEN Preis angesagt....:-((

 

Zum Schluss noch ein Artikel aus der Bremer Kirchenzeitung (Ausgabe: September 2008)
"Hähnchen des Todes".