Hähnchenmast: Wirtschaften im Centbereich

Quelle: Landwirtschaftskammer Niedersachsen

Niedersachsen erlebt im Augenblick einen regelrechten Nachfrageboom in der Hähnchenmast. Von den fast 60 Millionen Stallplätzen für Hähnchen in Deutschland stehen fast 32 Millionen Mastplätze in Niedersachsen. Über 50% der deutschen Hähnchen werden somit in Niedersachsen gemästet. Landwirtschaftliche Gebiete mit vorrangig pflanzlicher Produktion stehen neuerdings im Focus der Integrationen.

Vorweg das Fazit der LWK:
Die Hähnchenmast in Deutschland erlebt derzeit eine enorme Nachfrage. Wer auf diesen Zug aufspringen möchte, sollte sich darüber im Klaren sein, dass er ausreichend Arbeitskapazitäten vorhalten sollte. Ein gesunder Betrieb kann ohne weiteres ein weiteres Standbein aufbauen. Gute Voraussetzungen sind eine ausreichende Flächenausstattung, damit der anfallende Mist verwertet werden kann. Niedrige Getreidepreise, wie in diesem Spätsommer, erlauben eine Veredelung des eigenen Getreides über die Hähnchen. Ganz wichtig ist eine absolute Gesundlage der Mastställe, damit die Gesundheitskosten minimiert werden. Nichts schmälert den wirtschaftlichen Erfolg mehr als Tiere, die nicht uniform sind oder am Schlachtband verworfen werden..
Eine genaue Erfassung und vor allem Auswertung der biologischen und monetären Daten aus jedem Mastdurchgang sind unerlässlich. Der spitze Bleistift bleibt neben einer guten Beobachtungsgabe das wichtigste Managementinstrument.
Ein mangelhaftes Management schlägt sich bei Geflügel sofort in den biologischen und damit monetären Leistungen nieder. Um wirtschaftlich Erfolg zu haben muss der Mäster möglichst im Durchschnitt, besser im oberen Viertel der Betriebe wirtschaften. Nur so gelingt ein guter Start mit kräftigen Durchhaltevermögen auch in wirtschaftlich schlechteren Zeiten.

 In 2008 stieg der Verbrauch an Hähnchenfleisch auf 11,1 kg/Kopf. Dies ist mehr als zu BSE-Zeiten. Im Mittel der EU liegt der Verbrauch bei 17,1 kg/Kopf, ebenfalls mit steigender Tendenz. Die Verbrauchsdaten entstammen der MEG – Marktinfo Eier & Geflügel. Sie ist die Nachfolgeorganisation der ZMP (Zentrale Markt- und Preisberichtstelle). Der Verbrauch in Deutschland steigt jährlich um ca. 4%. Der Markt ist im Augenblick noch moderat aufnahmefähig, aber auf der anderen Seite auch gut versorgt. Dieses schlägt sich in der aggressiven Preispolitik des Lebensmitteleinzelhandels nieder.
Der Selbstversorgungsgrad mit Hähnchenfleisch liegt derzeit in Deutschland knapp unter 100%; in der EU liegt er bei ca.102%.
In Deutschland wird Frischfleisch, vorwiegend SB-verpackt, verstärkt über die Discounter vermarktet. Der Verbraucher bevorzugt heute zerlegte und z.T. marinierte Ware.  

Der Stallbau
In der Hähnchenmast werden in den letzten Jahren geschlossene, wärmegedämmte Gebäude errichtet. Dies erleichtert im Vergleich zu den offenen, oder auch Jalousienställen, die Luft- und Wärmeführung enorm. Die Abluft kann kontrolliert aus dem Stall geführt und je nach Vorgabe der Baubehörde einer Luftwäsche unterzogen werden. Die Inneneinrichtung besteht aus Futterrundtrögen und Nippeltränken, die höhenverstellbar sind. Die Stallgröße beträgt in der Regel für einen 40.000er Maststall 18 x 100m. Die Stallbaukosten können im Augenblick mit bis zu 11,50 €/Stallplatz angesetzt werden. Hiervon entfallen 30% auf die Inneneinrichtung und 70% auf die Stallhülle. Bei den Stallbaukosten sind die Kosten für den Architekten und die verschiedenen Genehmigungsverfahren, sowie Erschließung des Grundstückes nicht enthalten. Diese differieren von Betrieb zu Betrieb sehr stark, insbesondere die Erschließungskosten.

Die neue Hähnchenhaltungsverordnung
Am 12.Juni 2009 wurde zum vierten Mal die Tierschutz-Nutztierhaltungsverordnung durch den Bundesrat geändert. Seit Anfang Oktober diesen Jahres ist sie in Kraft getreten. Eine wichtige Änderung ist die Besatzdichte in der Hähnchenmast. Für die Kurzmast ist somit eine Besatzdichte bis zu 35 kg/m2 Stallgrundfläche möglich. Für die Langmast gilt eine Besatzdichte bis 39 kg/m2 Stallgrundfläche. Die Mastverfahren sind an die Höchstgewichte der Tiere gekoppelt. Für die Kurzmast gilt hiernach ein Gewicht bis 1.600 g und für die Schwermast Gewichte über 1.600 g. Die vorgegebenen 39 kg pro Quadratmeter dürfen nach der neuen Regelung zu keinem Zeitpunkt überschritten werden. Eine Einschränkung bei der 35 kg-Regelung besagt, dass diese Grenze im Durchschnitt von drei Mastdurchgängen nicht überschritten werden darf. Weitere Regelungen beziehen sich z.B. auf die Lichteinfallfläche von 3% der Stallgrundfläche, 20 Lux Mindestlichtintensität während der Lichtphase, gemessen in Kopfhöhe der Tiere. Ein Sachkundenachweis ist ab dem 30.Juni diesen Jahres Pflicht. Neu gegenüber den „Freiwilligen Vereinbarungen in der Hähnchenmast“ ist die mindest. 6-stündige Dunkelphase, die aber nicht unterbrochen werden darf. Weitere Einzelheiten zu Futter- und Tränkeeinrichtungen sowie vorzulegende Aufzeichnungen und Einhaltung von tierschutzrelevanten Auflagen sowie Umluftraten sind im Detail geregelt. Im Stall dürfen Gaskonzentrationen bei Ammoniak 20 ppm und bei Kohlendioxyd 3.000 ppm nicht überschritten werden. Bei einer Außentemperatur von über 30°C im Schatten darf die Raumtemperatur diese nicht mehr als um 3°C überschreiten. Überschüssige Feuchtigkeit, die im Stall in den Übergangsmonaten schnell zu finden ist, soll ebenfalls abgeleitet werden. Bei einer Außentemperatur von unter 10°C sollte die Luftfeuchtigkeit im Laufe von 48 Stunden 70% nicht überschreiten. Neu ist ebenfalls die portionsweise Fütterung, die hiermit ihre Rechtsgültigkeit erhält.

Kosten und Leistungen in der Hähnchenmast
In den letzten Jahren war es in der Hähnchenmast so, dass die anfallenden Kosten durch die Auszahlungspreise im Durchschnitt der Betrieben gedeckt werden konnten.
Im Wirtschaftsjahr 2008/2009 konnten die ersten Betriebsergebnisse von insgesamt 58 Betrieben mit 406 Mastdurchgängen ausgewertet werden. Es wurden Daten von allen verarbeitenden Integrationen und allen Mastverfahren ausgewertet. Die hier veröffentlichten monetären Daten beziehen sich auf Bruttowerte (landwirtschaftliche MwSt).
Die Direktkostenfreien Leistungen (DkfL)/m2 Stallfläche in Höhe von 43,05 € sehen auf den ersten Blick sehr positiv aus, stellen aber keine Verbesserung zum Vorjahr dar. Die Spanne zwischen dem oberen (+25%) und dem unteren Viertel (-25%) geht im vorliegenden Wirtschaftsjahr nicht mehr so weit auseinander, wie im WJ 2006/2007. Die erfolgreichen Betriebe haben wirtschaftlich gesehen zugelegt.

Die Verteilung der direkten Kosten ist aus dem Kreisdiagramm (Diagramm2) ersichtlich. Der Schwerpunkt der Kosten ist nach wie vor das Futter mit einem Anteil von ca. 67%, bzw. 0,52 €/kg LG. Im WJ 2006/2007 lag der Wert der Futterkosten noch bei 65% und davor bei 61%. Viele Betriebe veredeln daher eigenes Getreide über die Hähnchenmast. In diesem Zusammenhang sei noch darauf hingewiesen, dass eine evtl. Salmonellenproblematik hier nicht zu unterschätzen ist.

Die schlechter wirtschaftenden Betriebe haben in den letzten Wirtschaftsjahren nicht oder nur teilweise den Lohnansatz von 13 €/AKh erwirtschaften können.
Hähnchenmast kann nicht mal „eben nebenbei“ betrieben werden. Die Tiere reagieren äußerst sensibel auf Veränderungen. Die empfohlene zweimalige Tier- und Stallkontrolle am Tag muss unbedingt eingehalten werden. Ein gutes Fachwissen über die Tiere als auch über die Stalltechnik ist hier Grundvoraussetzung. Es zeigt sich, dass sehr gute Kenntnisse im Management und eine Steigerung der biologischen Leistungen enorm wichtig sind, um ein gutes Betriebsergebnis zu erzielen. Entscheidend sind jedoch der Auszahlungsreis und die Entwicklung der Futter- und Energiekosten.

Die intensive Herdenführung benötigt fundiertes Fachwissen. Hier ist das „Auge des Mästers“ gefragt und das wiederum hat mit der eingesetzten Arbeitszeit zu tun. Diese wird mit ca. 900 AKh/40.000er Stall angesetzt. Bei Einsteigern kann dieser Wert um 1/3 steigen.