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- Ostniedersachsen als neues Agrarindustrie-„Ausweichgebiet“-
Ein Bericht der unabhängigen Bauernstimme (http://www.bauernstimme.de)
Agrarindustrielle Strukturen wie im Emsland drohen der Lüneburger Heide und Ost-Niedersachsen durch den Plan der Rothkötter-Gruppe („Emsland Frischgeflügel GmbH“), in Wietze bei Celle einen riesigen Hähnchenschlachtbetrieb zu bauen. Für die eine Million Schlachtungen pro Woche sollen 150 Vertragsmäster im Umkreis von 100 km produzieren. Die A 7 würde zum „Hähnchen-Highway“, so die Hannoversche Allgemeine, von Northeim im Süden über Hildesheim und Celle bis Soltau-Fallingbostel und Uelzen im Norden.
„Vermittelt“ haben diese Expansion in östliche „Ausweichregionen“ der Staatssekretär Ripke und die Landesregierung, nachdem die Weser-Ems-Region mit Ställen bereits so vollgepflastert ist, dass Anwohner und Gemeinden von dieser Viehdichte die „Nase voll“ haben. Förderer der Pläne ist auch Bauernverbands-Vize und Putenmäster Hilse, der kürzlich als Festredner beim Rothkötter-Jubiläum „gute Aussichten“ versprach.
Nach einer Besichtigungsfahrt zum Rothkötter-Stammsitz Haren bei Meppen priesen Celles Kommunalpolitiker die 40-Millionen-Euro-Investitionspläne als „Sechser im Lotto“ - mit „bis zu 1.000 Arbeitsplätzen“ (Rothkötter spricht von zunächst 250 (!)). Mit den 1,4 Millionen Euro für die öffentliche Erschließung wird es nicht getan sein. Weitere Kosten sind zu erwarten für Grundstückserwerb, die Verlegung vorhandener Nutzungen, die Bereitstellung von Wasser, die Erweiterung der Kläranlage und den Ausbau der Straßen für zusätzlich 100 LKWs. „Alles verliert an Wert, Boden, Luft und auch das eigene Haus“ – so ein Leserbrief. Andere verweisen auf die Gefährdung von Tourismus und Regions-Image, auf Niedriglöhne und Arbeitsbedingungen in der Schlachterei und auf die anstehenden Auseinandersetzungen in den Dörfern.
Unterdessen laufen erste „Informationsveranstaltungen“ der Kammer für Landwirte und Biogas-Betreiber, denen man mit Hinweis auf die schlechten Preise bei Milch oder Getreide ein Zusatzeinkommen aus der Hähnchenmast verspricht. Celles Kreislandwirt Mente und seine „Landvolk“-Kollegen in den Nachbarkreisen treten als Befürworter der Agrarindustrie auf. Dabei hat die Kammer erst kürzlich gewarnt, bei der Hähnchenmast als „Centgeschäft“ schreibe man nur mit bestem Management schwarze Zahlen. Ein Großteil der Mäster habe seit Jahren nicht einmal die Ausgaben begleichen können. Angesichts des deutschen Selbstversorgungsgrads von über 100 Prozent, einer „baldigen Marktsättigung“ in der EU und eines weiteren Produktionswachstums könnten die „Integratoren“ die Produktion bald zurückfahren (die Verträge laufen meist nur ein Jahr).
Diese „Integratoren“ sind die PHW-Wesjohann-Gruppe („Wiesenhof“, „Bruzzler“) mit 40% Marktanteil, Rothkötter mit 25%, Stolle mit 20% und Sprehe mit 15%. Sie betreiben Kraftfutterwerke, Brütereien und Schlachtereien. Die Vertragsmäster bekommen von ihnen Tiere und Futter zugeteilt und müssen zu festgesetzten Preisen auch die Schlachttiere zum vorgegebenen Termin abliefern. Sie tragen das Produktions- und Investitionsrisiko, ein 40.000-Hähnchen-Stall kostet eine halbe Million Euro. Selbst bei einem Gewinn von 5 Cent pro Hähnchen und 7 Stall-„Durchgängen“ pro Jahr bleibt dem Mäster lediglich ein Einkommen von 14.000 Euro. Einem ersten Hähnchenstall folgen oft weitere Ställe nach.
Massiver Widerstand richtet sich allerorten gegen Gestank und Stäube, gegen die tierquälerische Haltung der einseitig gezüchteten Tiere auf ihrem eigenen Kot, gegen die erhöhte Seuchengefahr in Intensivregionen (mit Stallpflicht für alle Geflügelhalter der Region) und gegen die Verdrängung bäuerlicher Geflügelhaltung. Eine Wietzer Bürgerinitiative wehrt sich bereits gegen Rothkötters Pläne: „Die haben das Emsland zugeschissen“, so die Tierschutzvereins-Vorsitzende Heidemarie Peters, „wir wollen kein neues Emsland werden!“ -en
Die Unabhängige Bauernstimme berichtet regelmäßig über agrarindustrielle Entwicklungen und den vielfältigen Widerstand dagegen. Sie erscheint monatlich.
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