Die Arbeitsgemeinschaft bäuerliche Landwirtschaft (AbL) sieht sich durch Äußerungen des Geflügel-Unternehmers Franz-Josef Rothkötter in ihrer Einschätzung bestätigt, dass die massiv betriebene Produktionsausweitung und Überschussproduktion bei Masthähnchen auf Kosten der Vertragsmäster bereinigt würde. Bei einer Großveranstaltung der Gemeinde Wietze (Landkreis Celle) zum geplanten Geflügelschlachthof am Montag habe der Schlachthof-Betreiber eine „absolut unrealistische Steigerung des Pro-Kopf-Verbrauchs“ von Hähnchenfleisch von derzeit 10,8 auf bis zu 15 kg prognostiziert, gleichzeitig aber eingeräumt, dass bei einer Überschuss-Situation und einem Preisverfall binnen 21 Tagen die Produktion eingeschränkt werde.

Aus dem Publikum wurde mehrfach darauf hingewiesen, dass die dann eintretenden Leerstände der Ställe für viele der kreditabhängigen Vertragsmäster den Ruin bedeuten würden – bezeichnenderweise habe man für das Podium ja auch keinen Hähnchenmäster eingeladen. AbL-Sprecher Eckehard Niemann verwies auf den jetzt schon vorhandenen Selbstversorgungsgrad von 100 Prozent, auf neu geplante riesige Mastställe in Ostdeutschland sowie auf Bauanträge für neue Ställe für weitere 10 Millionen Hähnchen allein im Kreis Emsland. Rothkötter musste einräumen, dass allein für die in Ostniedersachsen geplanten 200 Ställe eine Verbrauchssteigerung von 1 kg nötig wäre.

Angesprochen auf den weltweiten Hunger und gedumpte Billigexporte zu Lasten von Kleinbauern räumte der Agrarindustrielle ein, die Geflügelfleisch-Produktion sei selbstredend „keine große soziale Tat“, sein Unternehmen sei an den Exporten in arme Länder allenfalls in geringem Maße beteiligt. Unzufrieden waren zahlreiche Wietzer Bürger auch mit den Antworten auf ihre vielen Fragen, welche Auswirkungen der geplante Riesen-Schlachthof hinsichtlich der Verkehrs-, Lärm- und Geruchsbelastung sowie der massiven Grundwasser-Entnahme haben würde. Kommunalpolitiker räumten ein, dass Rothkötters Fabrik auch Nachteile bringe und in den ersten Jahren nach der 50-Millionen-Investitionen keine Gewerbesteuer zahlen werde. Die Amortisierung der Millionen-Vorleistungen von Gemeinde und Kreis erwarte man durch zusätzliche Arbeitsplätze und Einkommensteuern.

Die AbL appellierte in einem Flugblatt an Landesregierung und Bauernverband, ihren „Agrarindustrie-Lobbyismus“ zu beenden und die Fördermittel in die Öffnung der Märkte für eine bäuerliche und artgerechte Tierhaltung umzulenken. Unter dem Motto „Bauernhöfe statt Agrarfabriken“ sollen in jedem niedersächsichen Landkreis Bündnisse von Landwirten, Umwelt- und Tierschützern gegründet werden. Die AbL rief auch die Kirche und die Bischöfin zu „klaren Worten“ gegen die geplanten Agrarfabriken auf.

 

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